4. März 2018: Vernissage zur Ausstellung “Retrospektive Gottfried Legler”

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„Prosit Neujahr“ beschreibt Eitelkeit, Völlerei, Genuss –
und immer im Hintergrund ist der Tod allgegenwärtig.
Doch keiner nimmt
Notiz von ihm.

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Degerfelden

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Großnichte Doro Kant hat eigens für die Vernissage auf einer Bambusflöte aus Südamerika, die sie selbst von dort mitbrachte, ein Stück komponiert.

Erinnerungen an den Künstler und sein „geheimes Atelier“
Familienmitglieder, Schüler, Gäste – viele wollten die Bilder sehen, die Gottfried Legler gemalt hat. Die evangelisch-lutherische Gemeinde hat zur Vernissage in den Gemeinderaum der Christuskirche eingeladen, wo einige Bilder des kürzlich verstorbenen Steinener Künstlers nun bis Ende April hängen werden. Bernd Wiedenbauer, „einer aus Freiburg“, der von der dortigen Jungengruppe zur Steinener Mädchengruppe stieß, hielt die Laudatio. Der ehemalige Schulleiter aus Rheinfelden hält diesen Raum für den richtigen Ort für eine erste Retrospektive, der sicher weitere folgen werden. Hier hat er in Kirchengemeinderatssitzungen zusammen mit Gottfried Legler gesessen und gestritten, ob sich die evangelisch-lutherische Christuskirche länger als zehn Jahre hier hält. Mittlerweile sind über 50 Jahre ins Land gegangen und sie steht immer noch – zur Freude des Laudators. „Hauch des Geheimen“ Tochter Gundi hatte den Neugierigen vom Jugendkreis Zugang zum Atelier ihres Vaters, verschafft – plötzlich tauchte er auf. Wenn Blicke töten könnten …! Zum 90. Geburtstag wurde das künstlerische Werk Leglers ausführlich im Burghof ausgestellt und gewürdigt. Der junge Kunstliebhaber Wiedenbauer stieß bereits in den 60-er Jahren bei Freunden der Gemeinde auf Leglers Bilder. Dieser hatte für seinen „letzten Schliff“ im Basler Kunstmuseum Holbein-Bilder kopiert – „die er sicher nie verkauft hat“. Ein besonders eindrückliches Bild steht im Privatbesitz der Wiedenbauers. „Blaue Lilien“ Legler hatte das Aquarell in der Nacht nach dem frühen Tod vom Vater Wiedenbauers Frau, Helga Gottstein, für die Familie gemalt. Statt vieler Worte – ein Gemälde.
„Heimat – die Welt“ – Legler, der wie viel von seiner ersten Heimat, dem Sudentenland, am Ende des zweiten Weltkrieges vertrieben wurde, fand in Steinen seine zweite Heimat. Von hier machte er mit dem Fahrrad „Weltreisen“ nach Italien über die Alpen, später mit dem Campingbus, den er übersetzen ließ bis Valparaíso in Chile. Die weite Welt als seine dritte Heimat.
Die Vielfalt der Maltechniken und der Sujets, die Legler anwandte, lassen staunen. Helle und freundliche Ansichten von Dörfern im Markgräflerland, Impressionen der Tessiner Gebirgswelten, Liebespaare aus der Antike, ebenso wie Themen des Zeitgeistes der 68-er Jahre. Schreckliche Ereignisse beschäftigten ihn – er sprach nicht darüber, er malte sie – wie die furchtbaren Ereignisse in Sebreniza. 1996 entstand sein Ölbild, auf dem man sieht, wie „von oben“ zugesehen wird, als auf wehrlose Menschen eingestochen wird. Als Zeitzeugen beschäftigten ihn sowohl der Mauerfall 1989 als auch das Giftunglück in Bhopal 1984. Faszinierend wie er die Gedanken dazu in Ölgemälde umsetzte.
Für die Betrachter seiner Werke hatte er in einem Gespräch diese Worte: „Was du siehst oder sehen willst, ist deine Sache. Ich habe mich damit beschäftigt, vielleicht mich dadurch von der Wirkmächtigkeit des Geschehens befreit, vielleicht auch nur das Leben, die Vielfalt, die Farbigkeit einfangen wollen.“ Sie sind in „Lörracher Hefte 14“ festgehalten, das anlässlich der Ausstellung im Burghof anlässlich seines 90. Geburtstages herauskam.

Gottfried Legler starb im Dezember – kurz nach seinen 96. Geburtstag – in Steinen – seine Werke leben weiter.

Umrahmt wurde die Vernissage von Leglers Großnichte Doro Kant. Dem Naturbewusstsein ihres Großonkels entsprechend entschied sie sich für Holzinstrumente. Mit ihrer B-Blockflöte spielte sie eine sizilianische Weise. Aus Südamerika, wohin auch Legler und seine Frau Ilse gerne reisten, hat sie eine ganz schlichte Flöte aus Bambus mitgebraucht. Auf diesem „Rohr mit Löchern“ spielte sie ein Stück, extra geschrieben für die Vernissage. Mit dieser warmen und ruhigen Musik empfand sie die Situation nach, in der sie sich Legler malend vorstellte, im Markgräflerland, umschwirrt von Mücken oder Maikäfer und Vogelgezwitscher.

Die meisten Bilder der Ausstellung können bei Familie Legler gekauft werden.

Legler Vernissage 001Bernd Wiedenbauer erzählt aus dem Leben mit dem Künstler Gottfried Legler. Ilse Legler – 5. von rechts und links (links von Gisela Wilms) und Tochter Gundi (blauer Schal) sind mit dabei