Dezember 2017/ Januar 2018: Taize Europa-Treffen in Basel


Pfarrer Kai Thierbachs Ansprache   Translation by Helen Hughes

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Silvestergottesdienst und ich “kann”! Wir feiern Silvester mit Freunden – und das bei uns – am Abend natürlich. Vorbereitungen gibt es nicht allzu viel, wir fahren nicht weg. Da nehme ich die Gelegenheit wahr und besuche den Taizé-Gottesdienst. Ich habe mich sehr gefreut, einige der Gäste des europäischen Taizé-Treffens zu sehen. Und dass ich die Lesung vortragen durfte und bei den Fürbitten auch noch dabei war, das hat mich mit dankbarem Stolz erfüllt. Vor allem das Zusammensein mit anderen Nationen. Danke, Helen, dass Du mich “mitgenommen” hast. Was mich am meisten berührt hat, war das Vaterunser, das jeder in seiner Muttersprache betete. Danke für diesen wunderschönen Gottesdienst.

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Da wir in Weil am Rhein leben, haben wir uns als Gastgeber in der dortigen Gemeinde angemeldet. So bekamen wir am Donnerstag Mittag vier Mädels aus Bayern zugewiesen. Kurze Begrüssung, Rucksäcke ins Zimmer werfen und weiter nach Basel. Zimmer: alle vier wollten zusammen in einem Zimmer schlafen. Matratzen durften wir ihnen bieten. Ein Werbebanner bei uns zuhause um die Ecke warb mit einem Platzbedarf von 2qm plus Katze. Dafür verwöhnten wir “unsere” Mädels mit üppigem Frühstück. Alle vier haben wir richtig lieb gewonnen. Zu den Morgengebeten bei uns in der Kirche kamen wir mit und zum Silvestergottesdienst auch. Völlig problemlos kamen unsere vier dann auch zu einem Weihnachtshock in unserer Nachbarschaft mit, wo wir dann noch einige andere Taize-Teilnehmer z.B. aus Polen und Portugal trafen. Das ergab lange und fröhliche und auch durchaus tiefere Gespräche in allen möglichen Sprachen. Besonders berührt hat mich der Silvestergottesdienst: unter all diesen friedlichen jungen Menschen auf dem Boden sitzen, singen, beten: selten habe ich mich so aufgehoben und zuhause gefühlt. Dieser Taize-Spirit ist in der Tat für mich sehr berührend.

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Diese Tage voller neuer und innerer Erfahrungen wirken sehr nachhaltig. Ich habe zweimal das Abendgebet in Basel besucht, beim zweiten Mal mit meiner Mama und meiner besten Freundin. Noch nie vorher habe ich bewusst eine solche Erfahrung des gemeinsamen und wirklich heiligen Geistes gemacht. Es wirkt unwahrscheinlich intensiv nach und ich spüre ein starkes Verlangen nach mehr. Die Jugend würde es wahrscheinlich so ausdrücken : es hat mich geflasht! Die beiden jungen Männer sind Freunde geworden und haben uns herzlich zu sich eingeladen. Auch möchte ich gerne im nächsten Jahr nach Madrid fahren. Für die Zeit dazwischen bin ich auf der Suche nach einer Taizé-Erfahrung hier in der Region. Gibt es die Idee, ähnliche Gebete und Gottesdienste hier zu veranstalten? Die Lieder wirken so beruhigend und tröstend. Sie geben Kraft und inneren Frieden. Ich freue mich sehr auf das Nachtreffen. Auch unsere Kinder sind ganz verzaubert, besonders von André und Victor.

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Wir denken gerne an die letzte Woche zurück. Es hat sehr viel Spaß gemacht und wir waren gerne Gastgeber. Die Mädels waren sehr pflegeleicht, hilfsbereit und wir haben viel für unseren Alltag mitnehmen können. Die Begeisterung der jungen Leute den Glauben aktiv und modern zu leben fand ich großartig. Trotzdem aber die Tradition , die Wurzeln mit einzubeziehen – toll – und wünschenswert auch für manche Jugendliche hier im Kreis.

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Mittlerweile sind unsere Gäste wieder daheim angekommen, einer musste heute sogar schon arbeiten.Es waren wirklich interessante Tage. Leider haben sich die ukrainischen Gäste dann doch nicht mehr gemeldet. Wenn die Gemeinden mal wieder Hilfe brauchen, dürfen sie uns gerne fragen.

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Pfarrer Kai Thierbachs Ansprache
Bibeltext 1. Johannes 1, 1-4
Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens.  Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde.  Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt.  Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.  Wir schreiben dies, damit unsere Freude vollkommen ist.

Liebe Freunde in Christus!
Manchmal hört man von Kindern: Ich möchte schnell wachsen. Ich möchte bald groß sein. Das klingt sehr nach der Vorstellung Erwachsensein bedeutet: Da ist dann Schluss. Größer wird man nicht mehr. Reifer und klüger wird man auch nicht mehr. Als erwachsener Mensch bin ich irgendwann in jeder Hinsicht ausgewachsen und ausgereift.
Wahrscheinlich habe ich als Kind genauso gedacht. Und bei Ihnen, bei Euch, war diese Vorstellung vermutlich ähnlich. Mit dem Erwachsensein wird ein Zustand vollendeter Reife erreicht.
Als Erwachsener weiß ich dann allerdings ziemlich bald: Das stimmt so nicht. Das ganze Leben ist ein Wachsen und Reifen. Nicht äußerlich, sondern vor allem innerlich, geistig und geistlich.
Christlich gesprochen, heißt das: Wir sind mit unserem Leben zu Gott hin geschaffen. Wir müssen ein Leben lang zu Gott hin wachsen. Die Vollkommenheit, nach der wir uns sehnen, ist bei Gott. Wir dürfen hoffen, auf sie hin zu wachsen.
Heute stehen wir an einer Schwelle, einem Übergang in unserer Zeitrechnung. Das gewesene Jahr geht zu Ende.
Das neue Jahr beginnt heute um Mitternacht. Wir wollen und werden das gemeinsam feiern. An dieser Übergangsstelle dürfen wir uns freuen. Denn mit dem neuen Jahr können wir weiter zu Gott hin wachsen. Er schenkt uns hoffentlich weitere 12 Monate, um als Menschen und Christen zu reifen.
Dass wir auf die vollkommene Freude hin wachsen, von der die Bibel spricht. Auch wenn diese Freude im Moment in unserer zerissenen Welt eben nicht vollkommen ist, nicht vollkommen sein kann.
Wie können wir als Menschen und als Christen weiter wachsen? Das ist eine Lebensfrage und Glaubensfrage! Was hilft uns, als Menschen und Christen zu wachsen?
Die Antwort der Bibel lautet: Durch Gemeinschaft mit Gott und durch Gemeinschaft miteinander. Menschliche Gemeinschaft, Gemeinschaft im Glauben, lässt uns geistig und geistlich als Menschen und Christen wachsen.
Um Gemeinschaft zu leben und zu erleben, hilft Gastfreundschaft.
Das erleben wir gerade in diesen Tagen hier bei uns in Steinen. Mit unseren 230 jugendlichen Gästen aus ganz Europa. Was für eine Bereicherung ist das für uns! Schon allein die gemeinsamen Morgengebete in der Kirche in den vielen verschiedenen Sprache, das gemeinsame Singen der Taizé-Gesänge, das gemeinsame Nachdenken in der Stille.
Gäste sind ein Geschenk Gottes an uns. Gastfreundschaft ist ein Geschenk Gottes für uns.
Dass wir so viele Jugendliche aus den verschiedenen europäischen Ländern bei uns in Steinen zu Gast haben, ist ein Geschenk! Sie kommen nämlich aus Ländern, deren Namen uns wohlbekannt sind.
Auch, wenn es schmerzt und vielleicht ärgert, ist es gut, daran zu erinnern: Vor etwas mehr als 70 Jahren sind ebenso Jugendliche aus Steinen ausgezogen. Aber sie sind damals als Soldaten in den Krieg gezogen, um genau diese Länder zu überfallen und zu zerstören.
Heute sind Jugendliche aus diesen Länder unsere Gäste. Was für eine Freude! Was für ein geistiges und geistliches Wachstum auf Gottes Frieden hin!
Gäste und Gastfreundschaft schaffen unter uns einen Raum für Begegnung und Veränderung. Wir dürfen persönlich wachsen. Geistig und geistlich. In unserer inneren Einstellung. In unseren Blicken auf diese Welt. In unserem Denken, Reden und Tun.
Und unter uns als Gastgebende in Steinen ist so bereits die Gemeinschaft gewachsen. Indem wir hier in unserem Ort als Christen aus den verschiedenen Kirchen miteinander ökumenische Gastgemeinde sind.
Wie wichtig das alles ist, zeigt uns ein Blick auf diese Welt am letzte Tag des zu Ende gehenden Jahres. Wie viele Vorurteile, Hass, Streit und Rachsucht gibt es da noch!
Aber wir können auf Gott hin wachsen! Als Menschen und als Christen. Wir können uns verändern. Und wir verändern damit auch unsere Welt. Darauf hin, wie Gott sie gemeint hat.
Dass wir das können, zeigt mir unser Beispiel als Gastgemeinde Steinen mit Hilfe von Taizé in diesen letzten Tagen von 2017.
Kai Thierbach   Zum Seitenanfang


Translation by Helen Hughes
Sometimes children say they are keen to grow up quickly.  To me this sounds like saying that reaching adulthood is our goal in life.  Once you are adult, you don‘t need to grow any more or become more intelligent.  You‘ll reach the point where you are grown up in every way. I probably thought the same when I was a child, and maybe you did too.
Yet now I am adult I realise that this isn‘t true.  Our whole life is a process of growth and maturation. Not externally, but above all internally, intellectually and spiritually.
As a Christian this means we spend our whole life growing up in and towards God.  The perfection that we long for is to be found in God, and we allow ourselves to hope that we will keep growing towards this perfection.
Today we stand on a turning point in our calendar: the old year is ending and the new one begins at midnight.  We are looking forward to celebrating this together.  With this new year we can continue growing towards God: he is giving us hopefully 12 more months to mature as people and as Christians.  To grow towards this perfect joy that the Bible tells us of, even though this joy is not and cannot be perfect in our broken world.
How can we continue to grow as human beings and as Christians?  This question is one of life and of faith!  What helps us to grow?
The Bible provides us with the answer that we can do this through community, through togetherness, with God and with one another.  Community allows us to grow intellectually and spiritually as people and Christians.
Something that helps us to live in community is hospitality, and this is something we are experiencing and enjoying right now in Steinen, with our 230 young people from all over Europe -  something that brings an incredible enrichment to our lives.  And this starts with our common morning prayers in so many different languages, including here today in our own Lutheran church.
Guests are a gift to us from God, as is hospitality.  Having so many young people here in Steinen is a gift!  They come from countries whose names are familiar to us.  And although it is painful for us  to remember this, about 70 years ago many young people left Steinen – at this time to fight as soldiers in the Second World War – to attack and destroy these very same countries from which our young guests now come.
It brings so much joy to now welcome young people from these countries as our guests.  And this is a wonderful way to grow towards the joy of God in our minds and spirits.  Guests and hospitality create within us space to meet others and enable transformation.  We are enabled to grow  personally, in our minds and spirits.  In our innermost selves.  In our view of the world.  In our thoughts, words and deeds.  Here in Steinen we are also brought together in our common task of welcoming these young people.
The importance of this can be seen by looking at our world on this last day of the passing year.  There are still so many judgements, hate, conflicts and acts of revenge.  But the good news is that we can grow towards God, as human beings and as Christians.  We can transform ourselves and through ourselves our world, aiming towards God’s perfection.  And our willingness to be host parishes for the Taize Youth Meeting in Basel in these last days of 2017 shows us that this is within our grasp.   Zum Seitenanfang

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